Rückschau 2019/2020

"Steinkauzaktion" der Forschungsgemeinschaft                                  zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V. (FOGE)

Junge Steinkäuze
Junge Steinkäuze

 

Mehr als schlecht sah es für den amselgroßen Steinkauz aus, als im Jahr 1988 von Herbert Keil eine Arbeitsgemeinschaft zum Schutz des kleinsten Eulenvogels in Baden-Württemberg gegründet wurde. Gerade mal 8 Brutpaare auf der damals wie heute ca. 690 qkm großen Kontrollfläche im Großraum Ludwigsburg konnten nachgewiesen werden. Davon nutzten 7 Brutpaare die insgesamt 39 künstlichen Nisthilfen, die damals in Streuobstbeständen montiert wurden. Etwa 24 Jungvögel gingen daraus hervor.

Nach gut 30 Jahren oft mühevoller Forschungsarbeit, wofür Projektleiter Herbert Keil vergangenes Jahr das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, ist ein über die Landesgrenzen hinaus anerkanntes, erfolgreiches Schutzprojekt entstanden. Durch Erfassung zahlreicher brutbiologischer Daten konnte die Bestandsentwicklung über diesen Zeitraum dokumentiert werden. Filmaufnahmen einer Steinkauzfamilie in einer präparierten Brutröhre sowie eine Telemetriestudie lieferten interessante Einblicke über die Lebensweise des Steinkauzes. Denn auch hier gilt der Leitsatz „nur was man kennt, kann man wirkungsvoll schützen“.

Das Jahr 2019 war für die Aktiven der FOGE (Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V., wie sie heute heißt) besonders erfolgreich. Inzwischen ist die Kontrollfläche mit 758 Brutröhren bestückt! Es konnten insgesamt 309 Brutpaare mit insgesamt 291 Bruten ermittelt werden. 286 davon in künstlichen Nisthilfen, was deren Bedeutung unterstreicht. Lediglich 3 Bruten fanden in Baumhöhlen statt. Dies zeigt deutlich, wie knapp die natürlichen Lebensräume inzwischen geworden sind. Sogar die Anzahl der Eier ist bekannt, nämlich 1204 Stück. Daraus sind ca.985 Jungkäuze geschlüpft. Tatsächlich ausgeflogen sind etwa 785, wovon 766 beringt werden konnten.

 

 

Natürlich müssen immer wieder Steinkauzröhren ersetzt werden. Daher wurden nun vergangenen Samstag weitere 121 Brutröhren in der Schreinerwerkstatt von Lothar Grau in Sersheim fertiggestellt. Eine wochenlange Vorbereitung mit unzähligen Arbeitsstunden war dafür nötig. Tausende verschieden große Bohrungen für Einflug, Kontrolle, Belüftung und Entnahme zur Beringung mussten gebohrt werden. Die Röhren sind mit einem Marderschutz ausgestattet und werden ständig verbessert, um es den Hauptfeinden der Käuze wie Mäusebussard und Marder nicht zu leicht zu machen. Die Röhren werden an stabilen waagrechten Ästen meist von Apfelbäumen mit dem Einflug an der Stammseite montiert. Vom Baum gefallene Jungkäuze können so den Stamm heraufklettern und in ihre Brutröhre zurückkehren. Unser ganz besonderer Dank dabei gebührt den Grundstücksbesitzern, die meist großes Verständnis zeigen. Leider ist es oft nicht möglich, die Grundstückseigentümer ausfindig zu machen. Die Röhren sind mit einem Hinweisschild mit der Adresse der FOGE ausgestattet. Viele Tier-und Pflanzenarten, wie auch der Steinkauz, sind auf naturnahe Hochstamm Streuobstbestände angewiesen. Deren Bestand aber ist seit den 50-iger Jahren von ca. 1,5 Millionen Hektar auf ca. 300.000 Hektar geschrumpft. Der größte Teil der Streuobstbestände in Deutschland liegt in Baden-Württemberg. Wenn es uns nicht gelingen sollte, den Niedergang dieses artenreichen Lebensraumes mit wirksamen Schutzmaßnahmen zu stoppen, werden weitere heimische Tier-und Pflanzenarten wohl alsbald der Vergangenheit angehören.

Bericht Lothar Grau


Das Haus zur „Wilden Biene“ am NABU Häusle in Horrheim

 

Insektensterben - Ein derzeit topaktuelles Thema in aller Munde, so auch beim NABU Vaihingen. Das Interesse an Möglichkeiten, dem Sterben Herr zu werden, zeigen die zahlreichen Anfragen, die bei uns zum Thema Wildbienen in letzter Zeit eingegangen sind.

Sehr gerne möchten wir alle interessierten Naturfreunde über alles Wissenswerte an Theorie und Praxis rund um die Wildbienen und deren Fördermöglichkeiten informieren. Dazu wurde am vorletzten Samstag durch einige Aktive des NABU Vaihingen der erste Schritt eines umfangreichen Wildbienen-Infoprojekts am frisch renovierten NABU Häusle in der Maulbronner Straße umgesetzt: Wir zimmerten dort ein großes, fachgerecht ausgestattetes Wildbienenhotel, das von einem mit Akazienstämmen umgrenzten Sand- und Kiesbett umgeben ist. Im nächsten Schritt sollen Infotafeln zum Thema Wildbienen ergänzt werden.

Diese Informationsquelle ist offenbar bitter nötig. Denn, egal ob aus Unwissenheit der Bevölkerung oder der Profitgier von Insektenhotel-Anbietern heraus, gut gemeinte Hilfsaktionen für unsere heimischen Wildbienen zielen oft an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere vorbei.

In Deutschland sind rund 560 Wildbienenarten bekannt. Diese gehören - wie auch die staatenbildende Honigbiene - innerhalb der Insektenordnung der Hautflügler der Familie der Bienen an. Wildbienen sind hingegen anders als die Honigbiene meist Einzelgänger und leben solitär. Nur Hummeln und einige Arten der Furchenbiene besitzen eine soziale Lebensweise. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam - sie lieben es warm und trocken.

Wildbienen sind, was ihre Gestalt, Größe und Aussehen angeht, vielfältig. Es gibt sie in Färbungen von Rot, Braun, Orange und Gelb, bis hin zu Weiß. So werden sie auch schnell mal mit Schwebfliegen oder Wespen verwechselt. Die meisten Wildbienen, insbesondere die nestbauenden Arten, sind dicht behaart, einige Arten aber auch fast nackt.

Wildbienen haben eine kurze Lebenszeit von nur etwa vier bis acht Wochen - bleibt also wenig Zeit sich fortzupflanzen. Bei den Solitärbienen schlüpfen zuerst die Männchen. Nach der Begattung der Weibchen beginnen diese sofort alleine mit dem Bau von 4 bis 30 Brutzellen, in die je ein Ei abgelegt wird. Jede Brutzelle wird dann mit einem Pollenvorrat ausgestattet, den die heranwachsende Larve benötigt. Danach werden die Kammern mit zerkauten Pflanzenteilen, Lehm, Sand, kleinen Steinchen oder Baumharz verschlossen. Nach dem Schlüpfen beginnt der Kreislauf von neuem.

Rund ein Viertel aller Wildbienen betreibt derweil überhaupt keine Brutpflege. Sie werden auch als Kuckucksbienen bezeichnet. Stattdessen schleicht sich das Parasitenweibchen in fremde Wildbienennester ein und legt dort ihre Eier ab. Die Kuckucksbienenlarve ernährt sich vom Pollenvorrat der Wirtsbiene und schlüpft später anstelle der Wirtsbienen-Nachkömmlinge, die bis dahin verhungert sind.

Rund 75 % aller Wildbienenarten leben im Erdboden, sei es in Mäuselöchern oder selbstgebauten Röhren. Wärmespeichernde, magere, sandige, nur lückenhaft bewachsene Bodenstrukturen werden bevorzugt. In unserem für diese Arten in Vaihingen angelegten Bodenbeet verwendeten wir ein Gemisch aus Rheinsand und Kies mit 16 bis 32mm Körnung und Lehm, um die nötige Konsistenz, also de facto Stabilität zu erreichen. Reiner, sog. „gewaschener“ Sand, ist dazu ungeeignet.

Weitere, wichtige Lebensräume bilden Hohlräume in weißfaulem Holz und Pflanzenstängeln. Bestes Vorbild aus der Natur ist mit Käfer-Fraßgängen durchzogenes Totholz, das von vielen Wildbienenarten genutzt wird. Allein 1400 Käferarten Mitteleuropas leben ebenfalls im Totholz. Im heimischen Insektenhotel kann dieser Lebensraum durch Hartholzklötze, am besten aus Esche, ersetzt werden. Die Klötze dazu mit Bohrungen von 3 bis 9 mm Durchmesser versehen, im Abstand von mind. 2 cm untereinander. Hierzu sollte nur ins Längs-, nicht ins Stirnholz gebohrt werden, um Risse zu vermeiden. Bohrer mit Überlänge eignen sich dafür am besten. Bohrmehl darf dabei genauso wenig zurückbleiben, wie Splitter und Fasern, die Einflüge versperren. Wildbienen könnten sich andernfalls verletzen, wenn sie im Brusthaar haftende Pollen für die Larven im Bohrloch abstreifen, da sie dazu rückwärts einfliegen.

Ebenfalls geeignet für Bienenhotels sind Strangfalzziegel, die in der Länge getrennt werden können. Auch hier gilt es auf saubere Einflüge zu achten. Weitere Möglichkeiten sind hohle, mind. 10 cm lange Bambusstücke und Halme von Schilfmatten. Die Halme dürfen dazu nicht gesplittert sein.

Alle Bohrungen bzw. hohle Stängel müssen an einem Ende geschlossen sein. Konservenbüchsen können in diesem Zusammenhang als Abschluss verwendet werden. Die Löcher in Ziegelsteinen sind hingegen viel zu groß und höchstens zum Einstecken von Bambus- oder Schilfhalmen geeignet. Ebenfalls ungeeignet sind Gasbetonsteine, da sie Feuchtigkeit ziehen, was dazu führt, dass die Insektenbruten verpilzen und sterben.

Was zudem vermieden werden sollte, ist das Anbringen von Nisthilfen für Marienkäfer. Diese sind zwar in der Nähe von Pflanzen mit Blattlausbefall nützlich, doch nicht im oder am Bienenhotel. Schließlich leben Marienkäfer räuberisch und gefährden so potenziell die Bruten. Ebenfalls bedenklich ist die Ansiedlung von Hummelnestern in der Nähe eines Bienenhotels.

Zwar nicht als bienenschädlich, jedoch als tatsächlich wirkungslos gelten Einflüge für Schmetterlinge und Florfliegen im Hotel. Nutzlos ist auch die Einlage von Tannenzapfen, gepresstem Stroh oder Heu.

Einige wenige Wildbienenarten nagen sich eigene Brutröhren in geeignete, markhaltige Stängel. Hierzu können mehrere etwa 100 cm lange Brombeerstängel senkrecht an einem waagrechten Draht oder Gitter befestigt werden. Sie sollten dabei nicht auf dem Boden aufstehen. Die markhaltigen Stängel werden auch nicht genutzt, wenn sie einfach waagrecht ins Insektenhotel eingelegt werden.

Insektenanlagen sollten immer in sonniger, windgeschützter Lage fest und nicht schaukelnd montiert sein. Selbst beim Dach sollte darauf geachtet werden, dass auch dieses nicht zu sehr beschattet wird.

 

Doch bei aller Euphorie - selbst das beste Wildbienenhotel ist kein Ersatz für eine intakte Natur. Mit den Hotels können leider bei weitem nicht alle Arten erreicht werden. Von größter Bedeutung für Wildbienen und auch Schmetterlinge ist vielmehr ein reichhaltiges Angebot an Nektar und Pollen - über die gesamte Insektensaison hinweg. Wildbienen sind schließlich Feinschmecker. Rund 30 % aller nestbauenden Arten sind bei der Versorgung ihres Nachwuchses auf Pollen ganz bestimmter Pflanzenfamilien, -gattungen und sogar -arten angewiesen. Sie gelten daher als Pflanzenspezialisten.

Der dramatische Rückgang der Insektenmasse ist weitläufig bekannt und wirkt sich auch auf viele andere, gefährdete Tier- und Pflanzenarten aus. Die Lebensräume dieser Geschöpfe fallen Bebauung und Flächenversiegelung zum Opfer. Die intensive Landwirtschaft und der oft gedankenlose Umgang mit Umweltgiften tut sein Übriges. Wenn wie also nicht schleunigst etwas ändern, gehen unsere wichtigsten Pflanzenbestäuber verloren und mit ihnen die Welt, wie wir sie kennen.

Bericht Lothar Grau


Umfangreiches Arbeitsprogramm des NABU im letzten Jahr

... ein Bericht aus der VKZ

Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung der NABU Ortsgruppe Vaihingen konnte der Vorsitzende Lothar Grau nicht nur über einen großen Mitgliederzuwachs, sondern auch über umfangreiche Aktivitäten aus dem letzten Jahr berichten. So waren dank einer Werbeaktion des Landesverbandes 2019 aus rund 330 über 550 Mitglieder geworden. Von denen brachten sich laut Lothar Grau dann auch mehr in die vielfältigen Arbeiten ein als in den Jahren davor. Durchgeführt wurden gemeinsam die Renovierung des NABU-Häusles in Horrheim (Dach, Wände, Außenanlagen mussten erneuert werden.), die Herstellung aller möglichen Tierunterkünfte in der Werkstatt (Steinkauzröhren, Nistkästen, Insektenhotels, Futterhäuschen gingen weg wie „warme Semmeln“), eine Radtour nach Bietigheim, der Apfeltag in Ensingen, die Annahme von Streuobst (für das Streuobst-Apfelschorle von Ensinger kamen aber nur rund 23 Tonnen zusammen gegenüber 180 im Jahr zuvor) und die Teilnahme am Ensinger Weihnachtsmarkt. Eine traurige Nachricht hatte der Vorsitzende aber doch, denn wegen lang anhaltenden Regenwetters waren 2019 beide Jungstörche in Horrheim umgekommen. Nichts desto weniger konnte „unser“ Storch schon vor kurzem an seinem „Stammplatz“ gesichtet werden. Dieser ist seit 2018, als agressive Nilgänse das Storchenpaar vom NABU-Mast vertrieben hatten, ein Funkmast in der Nähe des Horrheimer Fußballfeldes.

 

Angesichts solch vielfältiger Aktivitäten gab es auch einen umfangreichen und für den Verein sehr erfreulichen Kassenbericht von Reinhold Grözinger. Bei Gesamtausgaben von etwa 6400 Euro und Gesamteinnahmen von etwa 6900 Euro blieb sogar ein Überschuss in seiner Kasse. So kann die Ortsgruppe auf ein gesundes Finanzpolster im kleinen fünfstelligen Bereich bauen.

 

Nachdem die Kassenprüfer Manfred Pott und Eberhard Schulze über eine sehr korrekt und übersichtlich geführte Kasse berichtet hatten, stand der einstimmigen Entlastung des Vorstandes nichts mehr im Weg.

 

Als Höhepunkt zum Abschluss nahm Lothar Grau noch eine ganz besondere Ehrung vor. Denn Joachim Sommer aus Roßwag kann auf sage und schreibe 60 Jahre Mitgliedschaft beim Naturschutzbund zurückblicken, dem der 1960 als Schüler beigetreten war, als der Verbandsname noch Deutscher Bund für Vogelschutz gewesen war. In seinen Dankesworten bedauerte Joachim Sommer das Verschwinden von vielen vor allem kleineren Vogelarten, dem man nicht tatenlos zusehen dürfe. Deshalb wolle er sich auch weiterhin aktiv einbringen, um die bedrohte Natur zu schützen.

 

Seit Jahren gehört es zum guten Brauch, dass im Anschluss ein Film über ein aktuelles Naturschutzthema gezeigt wird. Diesmal ging es um die Wiederansiedlung des Wiedehopf in Mühlhausen und Roßwag. Der Wärme liebende Vogel, der im Jahre 1976 sogar „Vogel des Jahres war“, mag wärmeexponierte, trockene, nicht zu dicht baumbestandene Gebiete mit nur kurzer oder überhaupt spärlicher Vegetation. In Mitteleuropa sucht die Art gern extensiv genutzte Obst- und Weinkulturen auf, welche er im Enztal gut finden kann.


Hallo NABU-Teich!

Liebe NABU-Freunde!

 

Eine Gruppe an tüchtigen Mitgliedern hat sich am 16.05.2020 zusammengefunden und den NABU-Teich fertiggestellt und geflutet!